Moderne Medizin mit Menschlichkeit - Chefarzt Dr. Skander Bouassida, Leiter des Viszeralonkologischen Zentrums und des Darmzentrums am Humboldt-Klinikum in Berlin
1. Herr Dr. Bouassida, Sie leiten das Viszeralonkologische Zentrum am Humboldt-Klinikum. 
Auf welchen Erkrankungen liegt der Schwerpunkt Ihres Zentrums?
Unser Zentrum ist auf Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts spezialisiert, insbesondere auf Darmkrebs, Enddarmkrebs und andere Tumore der Bauchorgane. Darüber hinaus behandeln wir eine hohe Zahl an komplexen gutartigen Erkrankungen des Enddarms und Beckenbodens, wie Fisteln, Inkontinenz oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, sei es ambulant oder stationär.
In der Klinik für Koloproktologie arbeiten wir als spezialisiertes Darmzentrum interdisziplinär mit Onkologie, Radiologie, Gastroenterologie, Strahlentherapie und Pathologie zusammen. Für unsere Patientinnen und Patienten bedeutet das: Alle relevanten Fachrichtungen sind eng verzahnt, die Therapie wird individuell geplant und regelmäßig im Tumorboard besprochen.
2. Welche Behandlungstechniken setzen Sie dabei ein?
Wir nutzen in der Proktologie das gesamte Spektrum moderner Chirurgie: Minimal-invasive laparoskopische Verfahren, hochentwickelte robotische Chirurgie mit dem Da-Vinci-System, moderne Lasertechnologien sowie offene Operationen.
Unser Zentrum verfügt über eine außergewöhnlich hohe Erfahrung: Mehr als 5.000 robotisch assistierte Operationen, rund 1.000 Laserbehandlungen und über 1.000 spezialisierte Fistel-Eingriffe wurden in unserem Team durchgeführt. Diese Fallzahlen sind nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern geben unseren Patientinnen und Patienten vor allem eines: Sicherheit.
3. Ist die Da-Vinci-Robotik die einzige Möglichkeit für minimal-invasive Eingriffe?
Nein. Die Robotik ist ein sehr leistungsfähiges Instrument, jedoch nicht das einzige. Auch die klassische Bauchspiegelung (Laparoskopie) ist weiterhin ein bewährtes und etabliertes minimal-invasives Verfahren. Die robotische Chirurgie erweitert diese Möglichkeiten jedoch erheblich: Sie ermöglicht eine besonders präzise, ruhige und gewebeschonende Operationsweise – vor allem bei komplexen Tumoreingriffen im engen Becken, wie etwa beim Enddarmkrebs. Entscheidend ist dabei nicht allein die Technik, sondern die Erfahrung des Behandlungsteams und die individuell passende Auswahl des Verfahrens für jede Patientin und jeden Patienten.
Auch in der minimal-invasiven Proktologie gehören wir zu den Vorreitern. Schonende Verfahren wie die Lasertechnologie, plastisch-rekonstruktive Techniken, moderne Tissue-Sealing-Devices sowie die standardisierte Botox-Behandlung werden bei uns routinemäßig und mit sehr guten Ergebnissen eingesetzt.
4. Welche Vorteile bietet die Lasertechnik für Patientinnen und Patienten?
Die Lasertechnik ist besonders schonend. Sie ermöglicht es, bestimmte Erkrankungen – etwa Steißbein- und Analfisteln, Pilonidalkrankheit oder Hämorrhoiden – mit minimaler Verletzung des umliegenden Gewebes zu behandeln.
Für die Betroffenen bedeutet das häufig:
- Weniger Schmerzen
- Deutlich kleinere Wunden und daher reduzierte Wahrscheinlichkeit für Wundheilungsstörungen
- Schnellere Rückkehr in den Alltag
- Und ein deutlich reduziertes Risiko für Funktionsstörungen wie Inkontinenz
Gerade in der sensiblen Region des Enddarms ist diese Schonung von unschätzbarem Wert.
5. Welche Erfahrungen haben Sie mit den Langzeitergebnissen nach Laserbehandlungen gemacht?
Unsere Langzeitergebnisse sind sehr ermutigend. Bei sorgfältiger Indikationsstellung und standardisiertem Vorgehen sehen wir stabile Heilungsraten, eine hohe Patientenzufriedenheit und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.
Viele Patientinnen und Patienten kommen zu uns nach langen Leidenswegen. Wenn sie nach der Behandlung wieder schmerzfrei sitzen, arbeiten, Sport treiben oder reisen können, ist das medizinisch und menschlich sehr erfüllend.
6. Was möchten Sie Menschen sagen, die sich mit der Diagnose Darmkrebs oder einer proktologischen Erkrankung an Ihr Zentrum wenden?
Eine solche Diagnose ist immer belastend und beängstigend. Unser Anspruch ist es, medizinische Spitzenleistung mit echter Zuwendung zu verbinden.
Wir nehmen uns Zeit, erklären verständlich, entscheiden gemeinsam und begleiten unsere Patientinnen und Patienten vom ersten Gespräch bis zur Nachsorge. Moderne Technik ist wichtig – Vertrauen, Erfahrung und Menschlichkeit sind es ebenso.
Unser Ziel ist nicht nur Heilung, sondern auch der Erhalt von Lebensqualität und Würde.